← Alle Beiträge

Comics, Graphic Novels oder Kinderromane: Was die Forschung sagt

Von Readigo-Redaktion · 2026-03-12 · 7 Min. Lesezeit

Die große Frage: Sind Comics „echtes“ Lesen?

In der Schulbücherei sind die Comics ständig ausgeliehen. Beim Elternsprechtag klingt es anders: Viele Eltern halten Comics und Graphic Novels für eine mindere Form des Lesens und glauben, ihr Kind schaue sich nur Bilder an. Die Sorge ist verständlich, aber sie trifft nicht zu. Seit gut zwei Jahrzehnten wird erforscht, wie Kinder Comics lesen und was das Format für das Lesenlernen bedeutet, und die Befunde landen immer an derselben Stelle: Ein Buch mit viel Text ist nicht automatisch das bessere. Bei einem Comic muss dein Kind Bildfolgen verstehen, Mimik und Körpersprache deuten, Text und Bild zusammenbringen und Panels folgen, die nicht immer der Reihe nach angeordnet sind. Das ist anspruchsvolle Denkarbeit, kein passives Schauen. Dein Kind nutzt dabei dieselben Fähigkeiten, die jedes Lesen verlangt, und lernt zusätzlich, Bilder zu lesen. Diese zweite Fähigkeit wird immer wichtiger. In Deutschland ist das Thema nicht neu. Viele Eltern sind selbst mit dem „Lustigen Taschenbuch“ und mit Asterix groß geworden, und Bücher wie „Gregs Tagebuch“ oder „Mein Lotta-Leben“, halb Roman und halb Comic, gehören zu dem, was Grundschulkinder heute freiwillig lesen.

Was die Forschung zeigt

Eine Handvoll Studien prägt, was man über Comics und Lesenlernen weiß, die meisten davon aus den USA. Carol Tilley von der University of Illinois hat gezeigt, dass Lesen im Comicformat dieselben Grundprozesse beansprucht wie das Lesen von Fließtext: Schlussfolgern, Vorhersagen, Zusammenführen. Der amerikanische Sprachforscher Stephen Krashen fand in einer Langzeitstudie, dass Kinder, die mit Comics und Graphic Novels aufwuchsen, genauso oft zu lebenslangen Leserinnen und Lesern wurden wie Kinder, die mit Kinderromanen anfingen, manchmal sogar öfter. Die frühen Erfolge hatten ihre Motivation gestärkt. Der deutlichste Befund für Kinder, denen das Lesen schwerfällt, kommt aus der amerikanischen Fachzeitschrift School Library Research: Comics erreichten Lesemuffel und Kinder, die Englisch als Zweitsprache lernten, besser als alles andere. Die Bilder gaben ihnen einen Zugang zu Geschichten, die sie als reinen Text nicht hätten lesen können. Für Kinder, die bei uns mit Deutsch als Zweitsprache aufwachsen, liegt derselbe Gedanke nahe, auch wenn die Studie amerikanisch ist. Die Befunde sind deutlich: Comics bauen echte Lesekompetenz auf. Das Format sieht anders aus, die Denkarbeit ist dieselbe.

Demo

Was die App bei einem kurzen Text hört

Die Demo startet von selbst. Der Text leuchtet Wort für Wort auf, so wie die App einem Kind beim lauten Lesen folgt. Wo das Kind stockt, geht es langsamer weiter. Das Beispiel ist auf Deutsch, die Geschichten in der App sind derzeit auf Englisch, deutsche sind in Vorbereitung.

Hört zu

Der Fuchs Milo fand einen roten Papierdrachen, der hoch in der alten Eiche feststeckte, und zog daran, bis er sich löste.

Schwierige Wörter werden orange markiert.

Warum Comics bei Lesemuffeln funktionieren

Wenn dein Kind Kinderromane verweigert, aber Comics und Manga verschlingt, ist das kein Problem, sondern dein Einstieg. Lesemuffel können meist lesen. Ihnen geht nur in langen Textblöcken die Lust aus. Comics nehmen die Wand aus Text weg, ohne die Geschichte zu vereinfachen. Ein Comic über eine griechische Sage bringt trotzdem anspruchsvollen Wortschatz, verschachtelte Handlungen und Figuren, die sich entwickeln. Das Format wirkt nur machbar statt abschreckend. Die Bilder geben dem Verstehen Halt. Stößt dein Kind auf ein unbekanntes Wort, verrät oft die Zeichnung daneben, was es bedeutet, und es muss weder nachfragen noch nachschlagen. So bleibt es in der Geschichte, und genau so wächst die Ausdauer beim Lesen. Dazu kommt die soziale Seite. Worüber auf dem Schulhof geredet wird, sind oft „Gregs Tagebuch“, das „Lustige Taschenbuch“, Asterix, „Dog Man“ oder die Manga, die gerade alle lesen. Ein Kind, das sich ausgeschlossen fühlt, weil ihm Kinderromane noch zu schwer sind, findet über Comics Anschluss. Sich selbst als jemanden zu sehen, der liest, trägt das Lesen auf lange Sicht mehr, als viele Eltern ahnen.

Manga: ein weltweites Lesephänomen

Manga verdienen einen eigenen Blick. Japanische Comics prägen inzwischen weltweit, was Kinder und Jugendliche lesen, auch in Deutschland. Reihen wie „Naruto“, „My Hero Academia“ und „Spy x Family“ ziehen Millionen Kinder in Geschichten, die über viele Bände gehen. Für das Lesen ist interessant, was Manga verlangen. Viele Reihen laufen über Dutzende Bände, mit großen Figurenensembles, langen Handlungsbögen und kulturellen Anspielungen, die Kinder erst verstehen lernen. Manga werden außerdem, auch in der deutschen Ausgabe, von rechts nach links gelesen. Das verlangt eine Beweglichkeit im Kopf, die kaum ein Prosatext fordert. Kinder, die viel Manga lesen, entwickeln oft ein gutes Gespür für Erzählungen und genau die Ausdauer, die eigentlich Kinderromane aufbauen sollen. Wenn dein Kind Manga liebt und dabei besser lesen soll, sieh sie als Brücke und nicht als Sackgasse. Ein Kind, das Manga verschlingt, erliest Wörter, erweitert seinen Wortschatz und übt das Verstehen. Das Format sieht nur anders aus als das, womit du aufgewachsen bist. Readigo geht genauso vor und holt Kinder dort ab, wo ihre Begeisterung schon ist: Neben den Geschichten gibt es einen Manga-Modus, in dem dein Kind Comic-Panels laut liest und der Drache Igo zuhört. Die Comics und Geschichten in Readigo sind derzeit auf Englisch, gut zum Englischlesen ab der Grundschule. Deutsche Geschichten sind in Vorbereitung.

Vom Comic zu anderen Büchern

Comics stehen für sich. Trotzdem fragen die meisten Eltern, wie ihr Kind auch zu anderen Büchern findet. Meist passiert das von selbst, solange niemand es erzwingt. Kinder, die über Comics zum Lesen gefunden haben, werden oft neugierig auf die Romanfassung derselben Geschichte oder greifen zu einem Sachbuch über ein Thema, das ihnen im Comic begegnet ist. Du hilfst, indem du beides griffbereit hältst. Liebt dein Kind eine Comicreihe, such passende Kinderromane, Sachbücher zum selben Thema oder Hörbücher, bei denen es im Buch mitlesen kann. Gute Brücken sind Bücher, die selbst halb Comic sind, wie „Gregs Tagebuch“ oder „Mein Lotta-Leben“. Danach führen kurze Kinderkrimis wie „Die drei ??? Kids“ zu längeren Texten. Ein Kinderroman übt dabei etwas, das ein Comic nicht übt: einem reinen Text über viele Seiten zu folgen. Deshalb gehören beide ins Regal. Verzichte auf die Regel „ein Kinderroman für jeden Comic“. Dieser Tauschhandel geht nach hinten los. Romane fühlen sich dann wie eine Strafe an, und Comics werden zur Belohnung. Sorg lieber dafür, dass dein Kind viel und gern liest, egal in welchem Format, denn mehr Lesen in jeder Form stärkt das Lesen insgesamt. Wer sieht, dass er vorankommt, bleibt eher dabei. Readigo bewertet beim lauten Lesen von Geschichten und Comics gleichermaßen Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo und Deutlichkeit, und an Funken und Tagen in Folge sieht dein Kind, dass es dranbleibt. Die Sicherheit, die es dabei gewinnt, nimmt es in andere Bücher mit.

Praktische Tipps für Eltern

Lass zuerst das schlechte Gewissen los. Ein Kind, das abends im Bett einen Comic liest, leistet echte Arbeit für sein Gehirn. Geh mit ihm in die Stadtbibliothek und lass es in der Comic-Ecke stöbern, ohne zu lenken. Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare kennen die altersgerechten Titel, und viele Bibliotheken haben inzwischen große Comicbestände. Wenn du einen Anhaltspunkt für Qualität suchst, schau auf Preise: In Deutschland wird auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen der Max-und-Moritz-Preis vergeben, in den USA gibt es die Eisner Awards, Graphic Novels mit der Newbery Medal und die Longlist des National Book Award. Für jüngere Kinder sind Asterix, das „Lustige Taschenbuch“ und Erstlesecomics wie „Kiste“ oder „Lehmriese lebt!“ ein guter Anfang. Aus den USA kommen „Hilo“, „Amulet“ und „Cat Kid Comic Club“, altersgerechte Geschichten mit Tiefe. Für ältere Kinder verbinden „New Kid“, „Smile“ und „Persepolis“ packende Geschichten mit literarischem Anspruch. Richtet ein Familienregal für Comics ein, in das alle, du eingeschlossen, Titel stellen, die sie gern gelesen haben. Wenn Kinder Erwachsene Comics lesen sehen, gilt das Format als richtiges Lesen. Und zum Schluss: Verbinde Comics mit lautem Lesen. Auch mit Bildern baut lautes Lesen Leseflüssigkeit auf, und ihr kommt über Wörter und Geschichte ins Gespräch. Ob du zuhörst, ein Geschwisterkind oder eine App wie Readigo, die sofort zurückmeldet, wie dein Kind gelesen hat: Lautes Lesen macht aus dem stillen Blättern eine Übung.

Quellen

Häufige Fragen

  • Sind Comics und Graphic Novels richtige Bücher?

    Ja. Wer einen Comic liest, muss Bildfolgen verstehen, Mimik und Körpersprache deuten, Text und Bild verbinden und Panels folgen, die nicht immer der Reihe nach angeordnet sind. Das ist anspruchsvolle Denkarbeit, kein passives Anschauen. Die amerikanische Forscherin Carol Tilley hat gezeigt, dass Lesen im Comicformat dieselben Grundprozesse beansprucht wie das Lesen von Fließtext: Schlussfolgern, Vorhersagen und Zusammenführen.

  • Was ist der Unterschied zwischen einem Comic und einem Kinderroman?

    Ein Kinderroman erzählt die ganze Geschichte im Text, ein Comic oder eine Graphic Novel in Panels, die Bild und Wort verbinden. Die Lesearbeit überschneidet sich mehr, als es aussieht. Beide verlangen Schlussfolgern, Vorhersagen und Zusammenführen. Der Comic verlangt zusätzlich, Bilder zu lesen, und die Zeichnungen helfen beim Verstehen, wenn ein Kind auf ein unbekanntes Wort stößt. Mehr Text heißt nicht automatisch besser.

  • Mein Kind liest lieber Comics als Kinderromane. Ist das gut?

    Wenn dein Kind Kinderromane verweigert, aber Comics verschlingt, ist das dein Einstieg und kein Problem. Die meisten Lesemuffel können lesen. Ihnen geht nur in langen Textblöcken die Lust aus, und das Comicformat nimmt diese Überforderung weg, ohne die Geschichte zu vereinfachen. Ein Comic über eine griechische Sage bringt trotzdem anspruchsvollen Wortschatz, verschachtelte Handlungen und Figuren, die sich entwickeln.

  • Bringen Comics so viel wie Kinderromane?

    Die Forschung weist in dieselbe Richtung. Die Langzeitarbeit des amerikanischen Sprachforschers Stephen Krashen ergab, dass Kinder, die Comics lasen, genauso oft, manchmal sogar öfter, zu lebenslangen Leserinnen und Lesern wurden. Das Format sieht anders aus, die Denkarbeit ist dieselbe.

Weiterlesen

Readigo einen Monat testen →

9,99 €/Monat oder 69,99 €/Jahr, inkl. MwSt. Jederzeit kündbar.