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Lautgetreue Erstlesebücher nach Stufen: von Bob Books bis Leserabe

Von Readigo-Redaktion · 2026-05-17 · 14 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die bekanntesten lautgetreuen Reihen (im Englischen „decodable books“) sind englischsprachig: Bob Books (Stufen A bis D, in den USA vom Vorschulalter bis zur 1. Klasse), Flyleaf Publishing, Geodes von Great Minds (mit Sachthemen), Half-Pint Readers, die Decodables von Reading A-Z und die „Dandelion Launchers“ von Phonic Books. Sie stammen aus den USA und Großbritannien und passen zu Kindern, die Englisch lesen. Du musst nicht alle kaufen. Für Kinder, die Deutsch lesen lernen, sind die Fibel, Silbenhefte und Erstlesereihen wie Leserabe die Entsprechung. Sie stehen weiter unten.

Was lautgetreue Bücher sind (kurz wiederholt)

Ein lautgetreues Buch ist ein Buch für Leseanfänger, das nur Buchstaben-Laut-Muster verwendet, die dein Kind schon gelernt hat. Jeder Band führt eine kleine Gruppe von Mustern ein und gibt deinem Kind Dutzende Gelegenheiten, sie zu üben. Davon zu unterscheiden sind Bücher nach Stufensystem (nach Schwierigkeit geordnet, aber oft mit Mustern, die dein Kind noch nicht kennt) und vorhersagbare Bücher (sie wiederholen einen Satzrahmen, damit dein Kind das nächste Wort aus Zusammenhang und Bild erraten kann). Der Unterschied zählt. Ein Kind mit einem lautgetreuen Buch hat genau eine Strategie: die Laute, die es gelernt hat. Ein Kind mit einem vorhersagbaren Buch hat viele, darunter das Raten. Und Raten ist genau das, was es nicht üben soll. Das US-amerikanische National Reading Panel (2000) zählte den systematischen Unterricht in der Buchstaben-Laut-Zuordnung zu den fünf Säulen wirksamen Leseunterrichts. Lautgetreue Bücher tragen das, was im Unterricht erklärt wurde, ins eigene Lesen. An ihnen baut sich der Leseschaltkreis im Gehirn auf, und das gilt besonders für Kinder mit Legasthenie. Nach Zahlen der International Dyslexia Association, eines US-Verbands, zeigt bis zu jedes fünfte Kind Anzeichen davon. Ausführlich: Lautgetreue Erstlesebücher erklärt. Noch ein Hinweis vorab: Die Reihen in dieser Liste sind englischsprachig. Sie sind für dich interessant, wenn dein Kind Englisch liest, in einer zweisprachigen Familie oder mit Englisch in der Grundschule, oder wenn du verstehen willst, wie das Prinzip funktioniert. Kinder, die Deutsch lesen lernen, brauchen solche Reihen weniger, weil die deutsche Schrift regelmäßiger ist und die Fibel ihre Lesetexte selbst mitbringt. Was es auf Deutsch gibt, steht im Abschnitt zur Auswahl.

Demo

Was die App bei einem kurzen Text hört

Die Demo startet von selbst. Der Text leuchtet Wort für Wort auf, so wie die App einem Kind beim lauten Lesen folgt. Wo das Kind stockt, geht es langsamer weiter. Das Beispiel ist auf Deutsch, die Geschichten in der App sind derzeit auf Englisch, deutsche sind in Vorbereitung.

Hört zu

Der Fuchs Milo fand einen roten Papierdrachen, der hoch in der alten Eiche feststeckte, und zog daran, bis er sich löste.

Schwierige Wörter werden orange markiert.

Wie die Stufen aufgebaut sind

Lautgetreue Reihen folgen einem Lehrgangsplan (im Englischen „scope and sequence“), also der Reihenfolge, in der die Buchstaben-Laut-Muster gelernt werden. Für das Englische sieht die typische Abfolge so aus, vom Einfachen zum Schweren. Stufe 0: vor dem Erlesen, ohne Text. Bücher ohne Wörter, für Gespräche über die Bilder, den Aufbau von Geschichten und die gesprochene Sprache. Erlesen wird hier noch nicht. Stufe 1: Buchstabenlaute und einfache kurze Wörter. Die ersten Konsonanten (meist m, s, t, p, n, c, h, d, g) und das kurze a. Wörter aus Konsonant, Vokal und Konsonant: mat, sat, hat, cat, ham, Sam. Meist ein oder zwei Sätze pro Seite. Stufe 2: alle kurzen Wörter dieser Art. Alle fünf kurzen Vokale (a, e, i, o, u) und die übrigen Konsonanten. Wörter: cat, dog, sun, hop, jet, log, fin. Dein Kind kann jetzt Hunderte Wörter aus drei Buchstaben erlesen. Stufe 3: Buchstabengruppen für einen Laut. Zwei Buchstaben, ein Laut: sh, ch, th, ck, wh, ng. Wörter: ship, chip, this, sock, ring. Hier verbringen die meisten Leseanfänger mehrere Monate. Stufe 4: Konsonantenhäufungen. Zwei oder drei Konsonanten, bei denen jeder Laut zu hören ist: bl, st, str, fr, sk, gl, sp. Wörter: blob, stop, strap, frog, skip. Zusammen mit den Buchstabengruppen kann dein Kind damit die meisten einsilbigen Wörter erlesen. Stufe 5: lange Vokale mit stummem e. Das stumme e am Ende macht den Vokal davor lang: cape, bike, rope, cute, hide, made. Das ist ein großer Sprung. Mit dem stummen Buchstaben lernt dein Kind die erste ausdrückliche „Regel“ dafür, wie die englische Schreibung Laute abbildet. Stufe 6: Vokalverbindungen. Zwei Vokale, ein langer Laut: ai, ea, oa, ee, oo, ay, ow, ou. Wörter: rain, beach, boat, feet, moon, day. Stufe 7: Vokale vor r. Ein Vokal vor r bekommt einen eigenen Klang: ar, er, ir, or, ur. Wörter: car, her, bird, fork, hurt. Stufe 8: mehrsilbige Wörter und Wortbausteine. Zusammengesetzte und zweisilbige Wörter, Vor- und Nachsilben (un-, re-, -ing, -ed, -er) und schließlich lateinische und griechische Wortstämme. Nicht jede Reihe zählt ihre Stufen gleich. Manche gehen von A bis D, manche von 1 bis 6, manche arbeiten mit Farben. Die Abfolge dahinter ist dieselbe. Warum diese Reihenfolge wichtig ist, begründet der amerikanische Kognitionswissenschaftler Mark Seidenberg in Language at the Speed of Sight (2017): Jeder Schritt erweitert im Gehirn die Verbindung zwischen Schrift und Laut ein Stück, und übersprungene Schritte hinterlassen Lücken, die später auffallen. Deutsche Fibeln folgen demselben Prinzip mit einer festen Buchstabenfolge. Sie brauchen aber weniger Stufen, weil die deutsche Schrift regelmäßiger ist, und sie gehen früh zum Lesen in Silben über. Schwer wird es im Deutschen an anderen Stellen: bei sch, ch, ei, ie und eu, bei Konsonantenhäufungen wie in Strumpf oder Pflanze, bei langen und kurzen Vokalen und bei langen zusammengesetzten Wörtern.

Bob Books (Stufen A bis D)

Bob Books war die erste lautgetreue Reihe für den breiten Markt. Bobby Lynn Maslen begann 1976 mit Bob Books, weil sie als Lehrerin einer amerikanischen Kindergartenklasse keine Bücher fand, die einfach genug für ihre Kinder waren. Die Bücher sind günstig, schlicht, weiter lieferbar und in den USA fast überall zu haben. Set 1: Beginning Readers (Stufe A). 12 winzige Bände zu m, s, t, p und n mit kurzem a und kurzem i. Wörter: mat, Sam, Mac, sat. Hier fangen die meisten Eltern an. Die Zeichnungen sind schlichte Strichmännchen, und das ist Absicht: Die Bilder tragen die Bedeutung nicht, die Wörter tun es. Ein Kind, das Englisch als erste Sprache lesen lernt, schafft dieses Set bei täglichem Üben in wenigen Wochen, in den USA meist im Kindergartenjahr vor der 1. Klasse. Set 2: Advancing Beginners (Stufe B). 12 Bände mit weiteren Konsonanten (b, d, h, l, k, j) und kurzen Vokalen. Die Sätze und die Bücher werden etwas länger. Set 3: Word Families. 10 Bände zu häufigen Reimfamilien (-an, -at, -ot, -ig). Hier wird das Lesen der bekannten Muster flüssiger. Set 4: Complex Words (Stufe C). 8 Bände mit Buchstabengruppen (sh, ch, th) und Konsonantenhäufungen. Am Ende dieses Sets kann dein Kind die meisten einsilbigen Wörter lesen. Set 5: Long Vowels (Stufe D). 8 Bände zum stummen e: bake, rope, hike, cute. Spätere Sets behandeln Vokalverbindungen und mehrsilbige Wörter und führen zu ersten Kinderromanen. In den USA führen die meisten öffentlichen Bibliotheken mindestens Set 1, oft auch Set 2 und 3. Ein komplettes Set kostet neu 90 bis 110 US-Dollar und ist gebraucht leicht zu finden. Das richtige Einstiegsset hängt davon ab, wo dein Kind in der Abfolge oben steht. Sitzen die kurzen Wörter aus drei Buchstaben noch nicht, fang mit Set 1 an. Liest es sie flüssig, stolpert aber über sh und ch, fang mit Set 3 an.

Flyleaf Publishing

Flyleaf ist die pädagogisch am sorgfältigsten durchdachte der großen Reihen. Gegründet haben sie Fachleute für Leseförderung, und amerikanische Schulen mit strukturierter Leseförderung setzen sie viel ein. Die Bücher sind aufwendiger gemacht als Bob Books, mit farbigen Illustrationen, spannenderen Geschichten und längeren Texten. Emergent Readers. Die früheste Stufe, vergleichbar mit Bob Books Set 1. Kurze Bücher mit einfachen Wörtern aus drei Buchstaben. Early Readers. Vergleichbar mit Bob Books Set 2 und 3. Längere Bücher, bessere Geschichten, dazu Buchstabengruppen und erste Konsonantenhäufungen. Lower-grade und Mid-grade Bridges. Hier sehen lautgetreue Bücher allmählich wie richtige Kinderbücher aus, mit Kapiteln und mehr Inhalt. Dazu kommen lange Vokale, Vokalverbindungen und mehrsilbige Wörter. Flyleaf-Bücher kosten etwas mehr als Bob Books, aber Kinder lesen sie spürbar lieber. Wer sich bei Bob Books wie ein Baby behandelt fühlt, taut bei Flyleaf oft auf. Erhältlich über die Website von Flyleaf Publishing und in den USA immer öfter in öffentlichen Bibliotheken. Viele amerikanische Schulen, die auf strukturierte Leseförderung umgestellt haben, haben Flyleaf im Bestand.

Geodes (Great Minds)

Geodes ist die jüngste der großen Reihen, herausgegeben von Great Minds, dem Verlag hinter den amerikanischen Lehrwerken Wit & Wisdom und Eureka Math. Sie kam um 2018 heraus, als Antwort auf die Bewegung rund um die Leseforschung (im Englischen: Science of Reading). Das Besondere: Die Bücher drehen sich um echte Sachthemen wie Tiere, Wetter, Geschichte und Naturwissenschaft. Sie sind lautgetreu, fühlen sich aber nicht nach Lautübung an. Ein Band über Eisbären bringt euch etwas über Eisbären bei, während dein Kind ein bestimmtes Lautmuster übt. Die Illustrationen sind professionell, und man lernt beim Lesen etwas über die Welt. Gedacht sind die Bücher für die ersten drei Schuljahre in amerikanischen Programmen strukturierter Leseförderung. Sie sind in Module gegliedert, die der Themenfolge von Wit & Wisdom folgen, so dass Kinder, die beides nutzen, die Inhalte doppelt festigen. Du brauchst Wit & Wisdom aber nicht. Die Bücher funktionieren auch allein. Geodes kosten mehr als Bob Books und etwas mehr als Flyleaf. Sie sind die richtige Wahl, wenn dein Kind klassische lautgetreue Bücher langweilig findet und „richtige“ Bücher will. Erhältlich über die Website von Great Minds und über Schulen, die das Lehrwerk nutzen.

Half-Pint Readers

Half-Pint Readers sind liebevoll gestaltete, gut illustrierte lautgetreue Bücher im Kleinformat, etwa so groß wie ein Kartenspiel. Gegründet hat die Reihe eine Mutter, die ihre Kinder zu Hause unterrichtete und lautgetreue Bücher wollte, die nicht nach Lehrmaterial aussehen. Die Sets sind nach Lauten geordnet: kurze Vokale, Buchstabengruppen, Konsonantenhäufungen, lange Vokale, Vokalverbindungen. Jedes Set hat 8 bis 12 kleine Bände mit bunten Bildern, ruhigen Geschichten und wiederkehrenden Figuren. Kinder, die mit Bob Books nichts anfangen können, mögen Half-Pint oft sehr. Half-Pint Readers gibt es gedruckt und digital. In amerikanischen Bibliotheken sind sie seltener als Bob Books, Nachfragen lohnt sich aber. Viele Homeschool-Gruppen in den USA haben sie. Sie passen, wenn dein Kind auf farbige Bilder besser anspricht als auf die Schlichtheit von Bob Books oder wenn ihr unterwegs üben wollt. Das kleine Format passt in jede Tasche.

Reading A-Z (Decodables)

Reading A-Z ist eine riesige digitale Bibliothek mit gestuften und lautgetreuen Büchern. Zugang gibt es per Abo (rund 109 US-Dollar pro Lehrkraft und Jahr) oder über die Schule, wenn sie eine Lizenz hat. Die meisten öffentlichen Schulen in den USA haben irgendwo im Haus ein Reading-A-Z-Abo. Allein der lautgetreue Teil umfasst Hunderte Bücher, geordnet nach Lehrgangsplan. Der Vorteil ist die Menge. Du kannst einem Kind 30 verschiedene Bücher auf derselben Stufe geben, wenn es so viel Übung braucht, statt dieselben 12 Bob Books immer wieder zu lesen. Der Nachteil ist das Lesen am Bildschirm. Man kann die Bücher ausdrucken, aber die meisten Familien lesen sie auf Tablet oder Laptop. Die Forschung zu Papier und Bildschirm bei Leseanfängern ist nicht eindeutig. Die meisten Fachleute für Leseförderung ziehen in den ersten Jahren Papier vor. Wenn dein Kind eine Brille trägt oder du die Bildschirmzeit im Blick behalten willst, zählt das. Hat die Schule Zugang zu Reading A-Z, frag die Lehrkraft, ob du Bücher zum Üben zu Hause ausdrucken darfst. In den USA erlauben das die meisten Schulen. Für eine eigene Lizenz ist das Abo teuer, aber an die Menge kommt keine andere Reihe heran.

Phonic Books (Dandelion Launchers und Decodable Comics)

Phonic Books ist ein britischer Verlag, der in den letzten fünf Jahren in den USA und in Kanada schnell gewachsen ist. Seine Bücher sind lautgetreu, aber für eine bestimmte Lücke gemacht. Dandelion Launchers. Die Einstiegsreihe, vergleichbar mit Bob Books Set 1 und 2, aber etwas erwachsener gezeichnet. Gut für Kinder, die sich bei klassischen lautgetreuen Büchern wie Babys behandelt fühlen. Die Bücher sind trotzdem sehr kurz und bleiben bei kurzen Wörtern und einfachen Buchstabengruppen. Dandelion Readers. Die mittlere Reihe mit Konsonantenhäufungen, langen Vokalen und Vokalverbindungen. Gedacht für 5 bis 8 Jahre. Decodable Comics (Moon Dogs und andere). Hier ist Phonic Books am stärksten: lautgetreue Comics für ältere Kinder mit Leseschwierigkeiten (7 bis 11 Jahre). Ein Neunjähriger, der noch lautgetreue Übung braucht, sich aber nie mit einem Bob Book erwischen lassen würde, hat hier eine echte Alternative. Jeder Comic ist vollständig lautgetreu, es kommen nur schon gelernte Muster vor, aber Aufmachung und Geschichte passen zum Alter. Für Kinder, denen ihr Lesestand peinlich ist, entscheidet das oft darüber, ob überhaupt geübt wird. Phonic Books gibt es über die Website des Verlags, bei Amazon und zunehmend in amerikanischen Bibliotheken, die den Wandel zur Leseforschung mitgemacht haben. Auch für ein älteres Kind, das in der Grundschule mit Englisch anfängt, sind die Comics einen Blick wert: kurz und einfach, aber nicht kindisch.

Bibliothek oder kaufen? Am besten beides

Du musst nicht jede Reihe kaufen. Lautgetreue Bücher sind Übungstexte, keine Literatur fürs Regal. Am besten fährst du mit einer Mischung. Zuerst die Bibliothek. In den USA führen die meisten öffentlichen Bibliotheken inzwischen Bob Books, oft Flyleaf, manchmal Half-Pint oder Phonic Books. Deutsche Stadtbibliotheken haben die deutschen Erstlesereihen meist in großer Zahl, und was nicht im Regal steht, lässt sich oft per Fernleihe bestellen. Der Ausweis für Kinder ist meist kostenlos, und ein wöchentlicher Bibliotheksbesuch mit 6 bis 10 ausgeliehenen Bänden kostet so gut wie nichts. Kauf ein Einstiegsset. Auch wenn ihr die Bibliothek nutzt: Ein eigenes Set neben dem Bett oder auf dem Küchentisch macht das tägliche Üben unabhängig vom nächsten Bibliotheksbesuch. Bob Books Set 1 (gebraucht 15 bis 20 US-Dollar) ist der günstigste vernünftige Einstieg, Half-Pint Set 1 die liebevollere Alternative. Für ein Kind, das Deutsch lesen lernt, sind die Lesehefte zur Fibel oder ein Silbenheft das Gegenstück. Leih in der Schule. Viele amerikanische Schulen geben lautgetreue Sets für kurze Zeit mit nach Hause, besonders wenn ein Kind Förderunterricht bekommt. Auch viele deutsche Grundschulen haben eine Schulbücherei oder Lesekisten. Frag nach, meist ist das kein Problem. Kauf keine kompletten Sets auf Vorrat. Ein Kind, das an Set 3 arbeitet, braucht dort vielleicht 4 Wochen, vielleicht 12. Wer vorauskauft, legt sich auf eine Stufe fest, die nicht zum Tempo des Kindes passen muss. Leih, was ihr noch nicht braucht. Die Ausnahme: Kinder mit Legasthenie. Sie brauchen meist deutlich mehr Wiederholungen pro Lautmuster als andere Kinder. Für sie ist ein eigenes, vollständiges Set, das man monatelang immer wieder lesen kann, sinnvoller als wechselnde Bibliotheksbücher. Für Englisch werden in diesem Fall Phonic Books und Flyleaf am häufigsten empfohlen. Im Deutschen arbeitet die LRS-Förderung mit eigenen Materialien. Frag die Förderlehrkraft oder die Lerntherapeutin, womit dein Kind zu Hause üben soll.

So findest du die richtige Stufe für dein Kind

Der häufigste Fehler von Eltern sind Bücher auf der falschen Stufe. Zu leichte langweilen, zu schwere bringen dein Kind zum Raten. Als Faustregel gilt die 95-Prozent-Regel: Dein Kind sollte etwa 95 % der Wörter richtig lesen, also höchstens etwa eines von 20 falsch. Ein schneller Test zu Hause. Nimm aus jeder Stufe einer Reihe eine Probeseite. Bei Bob Books ist das leicht: Set 1 übt kurzes a und i, Set 2 bringt weitere Vokale und Konsonanten, Set 3 Reimfamilien, Set 4 Buchstabengruppen, Set 5 das stumme e. Lass dein Kind jeweils die erste Seite lesen. Die Stufe, auf der es etwa einen Fehler auf 20 Wörter macht, ist seine. Dort fangt ihr an. Typische Einstiege für Kinder, die Englisch als erste Lesesprache lernen, etwa in zweisprachigen Familien: - Ein Kind im letzten Kita-Jahr, das Buchstabenlaute kennt, aber noch nicht zusammenschleift: Set 1, sehr langsam. - Ein Kind am Anfang der 1. Klasse, das kurze Wörter erliest: Set 1 bis 2. - Ein Kind am Ende der 1. Klasse, das Buchstabengruppen kennt, aber noch keine Konsonantenhäufungen: Set 3 bis 4. - Ein Kind in der 2. Klasse, das die meisten Muster kennt, aber noch langsam liest: Set 4 bis 5, dazu lange Vokale. - Ein älteres Kind mit Leseschwierigkeiten (8 bis 11 Jahre): die Decodable Comics von Phonic Books, auf der Stufe, die es gerade braucht. Lernt dein Kind Englisch erst in der Grundschule, fängt es unabhängig vom Alter am Anfang an. Das Erlesen kennt es schon aus dem Deutschen, neu sind vor allem die englischen Schreibmuster. Ältere Kinder greifen dafür lieber zu den Dandelion Launchers oder den Decodable Comics als zu Bob Books. Und auf Deutsch? Eine streng lautgetreue Reihe nach amerikanischem Vorbild gibt es kaum, und sie wird auch weniger gebraucht: Die deutsche Schrift ist regelmäßiger, und die Fibel bringt die begrenzten Lesetexte selbst mit. Am nächsten kommen die Materialien zur Silbenmethode aus dem Mildenberger Verlag, die Silbenfibel „ABC der Tiere“ und die Hefte „Lesestart mit Eberhart“ mit fünf Lesestufen, außerdem die Hefte von „Lies mal!“ aus dem Jandorf Verlag, die von der Silbe zum Wort gehen. Darauf folgen Erstlesereihen mit Silbenmarkierung und überschaubarem Wortschatz: Leserabe (Ravensburger) mit Vor-Lesestufe und Lesestufe 1 bis 3, viele Bände auch mit der Mildenberger Silbenmethode, Der Bücherbär (Arena), Lesetiger (Loewe) und Duden Leseprofi. Bücher zum Abwechseln wie „Erst ich ein Stück, dann du“ (cbj) passen, sobald dein Kind kurze Sätze allein schafft. Die 95-Prozent-Regel gilt für alle genauso. Wann du eine Stufe zurückgehst. Stolpert dein Kind mehr als zwei- oder dreimal pro Satz, ist das Buch zu schwer. Geh eine Stufe zurück, auch wenn es sich wie ein Rückschritt anfühlt. Auf einer leichteren Stufe wächst die Sicherheit schneller als durch Mühe auf einer zu schweren. Wann du weitergehst. Liest dein Kind ein Buch der aktuellen Stufe schon beim ersten Mal glatt und betont, ist es bereit für die nächste. Bleib nicht auf einer Stufe stehen, die längst sitzt. Was in welchem Alter typisch ist, steht in Leseentwicklung nach Alter. Für englische Texte gibt es außerdem die amerikanischen Richtwerte zur Leseflüssigkeit von Hasbrouck und Tindal (2017).

Was nach den lautgetreuen Büchern kommt

Lautgetreue Bücher sind Stützräder. Dein Kind braucht sie nicht mehr, wenn das Erlesen bei den meisten Mustern so automatisch läuft, dass es erste Kinderromane ohne Kraftakt lesen kann. Bei den meisten Kindern ist das im Lauf der 2. Klasse so weit, mit etwa 7 bis 8 Jahren, bei Kindern mit Legasthenie mit 8 bis 9. Zeichen, dass dein Kind so weit ist: - Es liest ein neues lautgetreues Buch schon beim ersten Mal glatt. - Es liest kurze Kinderromane recht flüssig. - Es verbessert sich selbst, wenn es ein Wort falsch erliest. - Es wählt Bücher nach dem Inhalt, nicht nur nach den Bildern. Danach: leichte Kinderromane. Für Kinder, die Englisch lesen: - Frog and Toad (Arnold Lobel). Begrenzter Wortschatz, liebenswerte Geschichten, kurze Kapitel. - Henry and Mudge (Cynthia Rylant). Gleichbleibender Aufbau, wachsender Wortschatz. - Mercy Watson (Kate DiCamillo). Überraschend witzig, mit der Zeit anspruchsvoller. - Elephant and Piggie (Mo Willems). Im Comicformat, einfacher Text, sehr komisch. - Press Start!, Owl Diaries, Diary of a Pug. Frühe Comicreihen. Auf Deutsch übernehmen das die Lesestufe 2 und 3 der Erstlesereihen und erste kurze Kinderromane wie „Die Olchis“ (Erhard Dietl), „Der kleine Drache Kokosnuss“ (Ingo Siegner) oder „Hexe Lilli“ (KNISTER). Das Üben an lautgetreuen Texten hört hier nicht ganz auf. Kinder mit Legasthenie und Kinder, die an schwierigeren Mustern arbeiten, bleiben vielleicht noch jahrelang dabei, neben den Kinderromanen. Im Englischen sind das mehrsilbige Wörter und Vor- und Nachsilben, im Deutschen lange Zusammensetzungen, Dehnungs-h und doppelte Mitlaute. Aber der Schwerpunkt verschiebt sich. Die meiste Lesezeit gehört jetzt richtigen Büchern, lautgetreue Texte dienen nur noch als gezielte Übung für einzelne Lücken.

Werkzeuge, die das Üben ergänzen

Lautgetreue Bücher sind aus Papier. Sie antworten nicht, sie merken sich nicht, über welche Wörter dein Kind diese Woche gestolpert ist, und sie werden nicht leichter oder schwerer, wenn dein Kind auf der Stelle tritt oder einen Sprung macht. Diese Lücke kann ein Werkzeug füllen, das nach denselben Grundsätzen arbeitet. Readigo ist für diese Lücke gebaut. Die Texte in Readigo folgen einer festen Abfolge von Buchstaben-Laut-Mustern, ähnlich wie bei Bob Books oder Flyleaf. Die App hört zu, während dein Kind laut liest, und zeigt Wort für Wort, was gesessen hat und wo es gestolpert ist. Der Wochenbericht im Elternbereich zeigt dir, welche Muster sitzen und welche noch Übung brauchen. Wichtig für dich: Die Geschichten in Readigo sind derzeit auf Englisch, die Abfolge folgt also der englischen Schreibung. Deutsche Geschichten sind in Vorbereitung. Übt dein Kind gerade mit einer englischen Reihe wie Bob Books, ergänzt Readigo die Bücher, und du siehst, was das tägliche Üben bringt. Mehr zur Methode steht in Leseforschung erklärt und unter wie Readigo in den Familienalltag passt. Die Hauptarbeit bleibt das tägliche laute Lesen deines Kindes. Die Bücher liefern den passenden Text, das Werkzeug sorgt dafür, dass das Üben regelmäßig stattfindet und sichtbar wird.

Quellen

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