Welche Lese-App hilft Kindern mit Legasthenie?

Kurze Antwort: Die eine beste Lese-App bei Legasthenie gibt es nicht. Die Grundlage ist systematische Förderung durch ausgebildete Fachleute, in der Schule als LRS-Förderung, außerhalb als Lerntherapie. Eine App kann die tägliche Übung im lauten Lesen übernehmen, eine der fünf Säulen des Lesens, aber sie ersetzt keine Diagnose und keine Lerntherapie. Readigo ist für Kinder von 6 bis 12 Jahren gemacht und gibt Wort für Wort Rückmeldung zur Aussprache, nach Buchstaben-Laut-Regeln. Die Geschichten sind derzeit auf Englisch, deutsches Lesen bewertet die App noch nicht. Bei einem Kind mit Legasthenie unterstützt Readigo das Üben neben der Förderung, nicht an ihrer Stelle.

Demo

Was die App bei einem kurzen Text hört

Die Demo startet von selbst. Der Text leuchtet Wort für Wort auf, so wie die App einem Kind beim lauten Lesen folgt. Wo das Kind stockt, geht es langsamer weiter. Das Beispiel ist auf Deutsch, die Geschichten in der App sind derzeit auf Englisch, deutsche sind in Vorbereitung.

Hört zu

Der Fuchs Milo fand einen roten Papierdrachen, der hoch in der alten Eiche feststeckte, und zog daran, bis er sich löste.

Schwierige Wörter werden orange markiert.

Was Kinder mit Legasthenie brauchen

Legasthenie ist eine im Gehirn angelegte Besonderheit: Betroffene Kinder verarbeiten die Laute der Sprache anders. In der Schule heißt das Thema meist LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche), gemeint ist der Förderbedarf. Die Diagnose lautet Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Störung (ICD-10 F81.0) und wird von Fachleuten gestellt. Sie gilt als die häufigste Lernstörung. Nach Zahlen der International Dyslexia Association (IDA), eines US-Verbands, zeigt bis zu jedes fünfte Kind Anzeichen davon. Das ist eine weit gefasste US-Schätzung, deutsche Zahlen für eine diagnostizierte Lese-Rechtschreib-Störung liegen niedriger. Was nach der Forschung am besten hilft, ist systematische, aufbauende Förderung, Schritt für Schritt in phonologischer Bewusstheit, Buchstaben-Laut-Zuordnung, Leseflüssigkeit, Wortschatz und Leseverständnis. Das bekannteste Beispiel für diese „Structured Literacy“ ist die amerikanische Orton-Gillingham-Tradition, in den 1930er-Jahren entwickelt und seitdem verfeinert. Gute Lerntherapie im deutschsprachigen Raum folgt demselben Prinzip.

Die US-Forschenden Sally Shaywitz (Yale Center for Dyslexia and Creativity), Maryanne Wolf (Proust and the Squid) und Mark Seidenberg (Language at the Speed of Sight) kommen zum selben Schluss. Ein Kind mit Legasthenie braucht ausdrücklichen Unterricht darin, wie Buchstaben und Laute zusammenhängen, und danach tägliche Übung mit Rückmeldung. Wörter aus dem Zusammenhang zu erraten, wie es die alte Ganzwortmethode nahelegte und wie es an vielen US-Schulen unter dem Namen „Balanced Literacy“ lange üblich war, vergrößert die Lücke.

Was eine App kann und was nicht

Eine App kann keine Legasthenie diagnostizieren. Erste Ansprechpartner sind die Klassenlehrkraft und die schulpsychologische Beratungsstelle (in Österreich die Schulpsychologie, in der Schweiz der Schulpsychologische Dienst). Die Diagnose stellen eine Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) oder eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, meist auf Überweisung der Kinderarztpraxis. Die Abklärung zahlt in der Regel die Krankenkasse. Eine App kann auch keine Lerntherapie leisten: Das ist individuelle Einzelarbeit, die viele Sinne einbezieht und eine ausgebildete Fachkraft braucht. Apps, die versprechen, Legasthenie zu „heilen“ oder eine Lerntherapeutin zu ersetzen, versprechen zu viel.

Was eine App leisten kann, ist die Übung: jeden Tag laut lesen, mit sofortiger Rückmeldung zu jedem Wort. Das US-amerikanische National Reading Panel (2000) zählte die Leseflüssigkeit zu den fünf Grundpfeilern des Lesens, und die Forschung von S. Jay Samuels zum wiederholten lauten Lesen zeigt, dass Üben mit Rückmeldung die Brücke zwischen Erlesen und Verstehen baut. In deutschen Schulen kennt man das als Lautleseverfahren. Schwer ist nur, es jeden Tag zu tun. Eltern, die jeden Abend 20 Minuten mitlesen, schaffen das. Die passende App auch.

Wo Readigo hineinpasst

Readigo ist eine iOS-App für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Sie hört zu, wenn ein Kind laut liest, und bewertet das Gelesene sofort. Die Spracherkennung von Readigo ist auf Kinderstimmen abgestimmt und beurteilt vier Dinge: Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo und Deutlichkeit. Die Bewertung folgt den Buchstaben-Laut-Regeln, die die Leseforschung als Grundlage des Lesenlernens beschreibt. Falsch gelesene Wörter werden nicht bestraft, der Drache Igo reagiert mit Gesten und hilft weiter. Es gibt keine roten Striche und keine „Falsch“-Meldungen. Für ein Kind mit Legasthenie, das oft jahrelang korrigiert wurde, zählt das.

Für ein Kind mit Legasthenie macht Readigo eine Sache gut: Die tägliche Übung wird leichter, weil niemand danebensitzen muss. Die Bibliothek ist nach Lesestufen geordnet, die Sätze sind nach Buchstaben-Laut-Regeln gestuft. Jeden Montag bekommst du den Wochenbericht mit genau den Wörtern, über die dein Kind gestolpert ist: dieselben Angaben auf Wortebene, nach denen eine Lerntherapeutin zu Beginn einer Stunde fragen würde. Readigo ist ein Baustein des Plans, nicht der Plan.

Die Geschichten in Readigo sind derzeit auf Englisch, außerdem gibt es Französisch, Spanisch, Polnisch und Ukrainisch. Deutsche Geschichten sind in Vorbereitung, deutsches Lesen bewertet die App noch nicht. Für ein Kind mit LRS heißt das: Readigo unterstützt das laute Lesen auf Englisch, das ihm oft besonders schwerfällt, weil Schreibung und Aussprache dort weit auseinanderliegen. Die deutsche Leseförderung läuft weiter über Schule und Lerntherapie. Die tägliche Übung zielt auf den Grund, warum Kinder mit Legasthenie meist langsam lesen: Das Erlesen ist noch nicht automatisch geworden. Forschende aus Salzburg um Heinz Wimmer haben gezeigt, dass deutschsprachige Kinder mit Leseschwierigkeiten meist richtig, aber sehr langsam lesen, englischsprachige Kinder mit derselben Schwierigkeit dagegen ungenau.

Ein realistischer Plan für ein Kind mit Legasthenie von 6 bis 12 Jahren

Hat dein Kind eine Diagnose oder liegt der Verdacht nahe, bring zuerst die Förderung auf den Weg. Das Fundament ist die schulische LRS-Förderung oder eine Lerntherapeutin, die systematisch aufbauend arbeitet. In den USA wären das Programme wie Orton-Gillingham, Wilson oder Lindamood-Bell. Lerntherapie bezahlen Familien meist selbst, grob 50 bis 90 € pro Sitzung. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt das Jugendamt die Kosten als Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. Adressen ausgebildeter Lerntherapeutinnen findest du etwa über den Fachverband für integrative Lerntherapie (FiL), Informationen zu Diagnose und Kostenübernahme beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL). Frag die Schule schriftlich nach Förderunterricht. Was deinem Kind zusteht, regelt der LRS-Erlass deines Bundeslandes: Förderung, Nachteilsausgleich, oft auch Notenschutz.

Leg die tägliche Übung im lauten Lesen obendrauf. Zwanzig Minuten am Tag, jeden Tag: Eine konkrete Routine für zu Hause teilt das in einzelne Schritte auf. Hier passt Readigo hinein, fürs Englische, oder du liest mit deinem Kind in einem Buch aus Papier mit. Es geht um Wiederholung mit Rückmeldung. Notier dir Woche für Woche, welche Wörter dein Kind aus dem Tritt bringen. Der Wochenbericht von Readigo zeigt das, ein Notizheft tut es auch. Nimm die Liste mit in die Lerntherapie, damit die nächste Stunde an den echten Lücken ansetzt.

Achte auch auf das Gefühl, das am Lesen hängt. Kinder mit Legasthenie wurden meist jahrelang korrigiert, gebremst und beschämt. Welches Werkzeug du auch wählst, ob App, gemeinsames Lesen oder Lerntherapie, es muss sich sicher anfühlen. Readigo verzichtet bewusst auf rote Striche und beschämende Rückmeldungen. Das ist nicht das Wichtigste an einem Plan bei Legasthenie, aber es spielt eine Rolle.

Andere Apps, nach denen Eltern fragen

Lexia Core5 und Amira Learning werden an US-Schulen zur Leseförderung eingesetzt, Eltern können sie meist nicht selbst kaufen. Reading Eggs übt Buchstaben, Laute und häufige englische Wörter mit Spielen, bewertet aber kein lautes Lesen. ABCmouse und Khan Academy Kids sind allgemeine Lern-Apps für Kleine, nicht für Legasthenie gemacht. Epic und Homer setzen auf Bibliothek oder vorgelesene Texte, nicht auf Übung mit Rückmeldung. Alle diese Apps sind englischsprachig. Im deutschsprachigen Raum ist Lesikus bekannt, ein systematisches Lesetraining aus Salzburg für Kinder mit LRS, das als Windows-Programm läuft und beim lauten Lesen mit einem menschlichen Lesepartner arbeitet (Readigo und Lesikus im Vergleich). ANTON und Antolin nutzen viele Schulen, zuhören können beide nicht. Keine dieser Apps ersetzt systematische Förderung durch eine ausgebildete Fachkraft.

Was die einzelnen Lese-Apps tatsächlich tun, zeigt der Vergleich der Lese-Apps. Am Ende kommt es auf zwei Dinge an: ein Übungswerkzeug, mit dem dein Kind jeden Tag ohne Streit laut liest, und daneben die systematische Förderung. Diese Kombination wirkt.

Verwandte Fragen

  • Ist Readigo für Kinder mit Legasthenie gemacht?

    Readigo ist für das tägliche laute Lesen von Kindern zwischen 6 und 12 Jahren gemacht, auf Grundlage der Leseforschung und der Buchstaben-Laut-Zuordnung. Die App stellt keine Diagnose, ist keine Therapie und ersetzt weder Lerntherapie noch schulische LRS-Förderung. Bei Legasthenie unterstützt Readigo das tägliche Üben im lauten Lesen, neben der systematischen Förderung durch eine Fachkraft. Die Geschichten sind derzeit auf Englisch, deutsche sind in Vorbereitung.

  • Kann eine Lese-App eine Lerntherapie ersetzen?

    Nein. Lerntherapie bei Legasthenie ist individuelle Einzelarbeit, die viele Sinne einbezieht und eine ausgebildete Fachkraft braucht, in den USA etwa nach Orton-Gillingham. Keine App kann das leisten, und Apps, die es behaupten, versprechen zu viel. Eine gute Übungs-App übernimmt die tägliche Wiederholung im lauten Lesen mit Rückmeldung. Das ist eine der fünf Säulen des Lesens (National Reading Panel, 2000) und der Teil, den Eltern zu Hause am schwersten durchhalten.

  • Erkennt Readigo, ob mein Kind Legasthenie hat?

    Nein. Wenn du Legasthenie vermutest, sprich zuerst mit der Klassenlehrkraft und bitte die Schule schriftlich um eine LRS-Überprüfung, die schulpsychologische Beratungsstelle hilft dabei. Die Diagnose stellen eine Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, meist auf Überweisung der Kinderarztpraxis. Readigo zeigt dir Woche für Woche Werte (Genauigkeit, Leseflüssigkeit, Lesetempo, Deutlichkeit und die Wörter, über die dein Kind stolpert), die eine Fachkraft als einen Hinweis neben der Testung nutzen kann. Diese Werte beziehen sich auf das Lesen englischer Texte.

  • Mein Kind mit Legasthenie hasst lautes Lesen. Macht Readigo es schlimmer?

    Ehrlich gesagt: Das kommt darauf an. Readigo verzichtet auf rote Striche und „Falsch“-Meldungen, Igo reagiert mit Gesten, statt Fehler zu bestrafen. Eltern von Kindern, die ungern lesen, darunter viele mit Legasthenie, berichten, dass das den Widerstand senkt. Verweigert dein Kind lautes Lesen gerade völlig, fang mit der Einzelförderung an, lass es etwas Selbstvertrauen gewinnen und nimm die App später dazu. Die Reihenfolge zählt.

  • Ab welchem Alter ist Readigo geeignet?

    Readigo ist für Kinder von 6 bis 12 Jahren gemacht, die schon einfach lesen können, also kurze Sätze mit 3 bis 5 Wörtern. Ist dein Kind jünger als 6 oder kann es einzelne Wörter noch nicht erlesen, hat die systematische Arbeit an Buchstaben und Lauten Vorrang, in der Schule, in der Lerntherapie oder mit einem aufbauenden Leseprogramm, nicht eine Übungs-App. Die Übung kommt dazu, sobald das Fundament steht.

  • Ist Readigo mehrsprachig?

    Ja. Readigo hat eigene Bibliotheken auf Englisch, Spanisch, Französisch, Polnisch und Ukrainisch, für jede Sprache geschrieben und nicht übersetzt. Deutsche Geschichten sind in Vorbereitung. Für mehrsprachige Kinder mit Legasthenie ist das wichtig: Lautes Lesen in beiden Sprachen festigt in jeder die Verbindung von Buchstaben und Lauten, und ein Kind mit Legasthenie zeigt in jeder Sprache oft andere Muster. Kombiniere es mit systematischer Förderung in der Sprache, die gerade Vorrang hat.

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Aktualisiert am 2026-10-03.